Die gruseligsten Börsencrashs aller Zeiten – und was wir daraus lernen
Von der Tulpenmanie über 1929, den Schwarzen Montag und Japans 34 verlorene Jahre bis zu Dotcom, Finanzkrise, Wirecard und Corona: Ich zeige dir die gruseligsten Börsencrashs mit allen Zahlen – wie tief es ging, wie lange die Erholung dauerte – und die 5 Lehren, die Studien daraus ziehen.

Inhaltsverzeichnis
- Prolog: Die Crash-Mythen, die jeder kennt
- 1929: Der Crash, der zur Großen Depression wurde
- Video
- Schwarzer Montag 1987: −22,6 % an einem einzigen Tag
- Japan: 34 Jahre unter Wasser
- Dotcom-Blase und Neuer Markt: das deutsche Trauma
- Das passende Depot: Smartbroker+ mit 20 € McDonald's-Aktie
- Finanzkrise 2008: Als das Bankensystem stillstand
- Wirecard 2020: Der DAX-Konzern, dessen Milliarden fehlten
- Corona 2020: Der schnellste Crash der Geschichte
- Alle Crashs im Überblick
- Die 5 Lehren aus den Börsencrashs – mit Studien
- Halloween-Bonus: Ist der Oktober wirklich ein Crash-Monat?
- Was hilft, was schadet?
- Fazit: Der gruseligste Crash ist der, bei dem du verkaufst
- Häufige Fragen
Passend zu Halloween wird es heute gruselig: Wir schauen uns die schlimmsten Börsencrashs der Geschichte an. Ein Index, der 89 % verliert. Ein Tag mit −22,6 %. Ein ganzes Land, dessen Aktienmarkt 34 Jahre unter Wasser war. Und ein DAX-Konzern, dessen Milliarden es wohl nie gab. Aber keine Sorge: Am Ende geht es vor allem darum, was wir aus diesen Crashs lernen können – und dafür gibt es ziemlich gute Studien.
Ein Hinweis vorab: Manche der bekanntesten Crash-Geschichten sind gar nicht wahr. Auch das schauen wir uns an.
Wie immer zuerst das Wichtigste: Das ist keine Anlageberatung und keine Kaufempfehlung, sondern meine persönliche Meinung. Vergangene Entwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft, Aktien können auch jahrelang im Minus stehen. Alle Indexstände in diesem Artikel sind Schlusskurse, nominal und ohne Inflation. Achtung beim Vergleich: Der DAX ist ein Performanceindex (Dividenden werden rechnerisch wieder angelegt), Dow Jones, S&P 500, Nasdaq und Nikkei sind reine Kursindizes. Mit * markierte Links sind Empfehlungslinks: Wenn du sie nutzt, bekomme ich eine kleine Prämie, für dich wird es dadurch nicht teurer.
Prolog: Die Crash-Mythen, die jeder kennt
Die Tulpenmanie 1637 – die Blase, die vor allem eine Erzählung war
Die Tulpenmanie gilt als erste Spekulationsblase der Geschichte. In den Niederlanden stiegen ab etwa November 1636 die Preise für seltene, gemusterte Tulpenzwiebeln stark an, gehandelt wurde zum Teil per Terminvertrag in Wirtshäusern. Anfang Februar 1637 brachen die Preise ein. Der Ökonom Peter Garber hat das an einer gewöhnlichen Sorte nachgerechnet: Die Switser-Zwiebel kostete am 5. Februar 1637 auf dem Höhepunkt 0,17 Gulden je aas (ein Zwanzigstel Gramm), wenige Tage später nur noch 0,11 Gulden – rund −35 % (Journal of Economic Perspectives, 1990).
Die teuersten Zwiebeln kosteten laut der Historikerin Anne Goldgar rund 5.000 Gulden – so viel wie ein gut ausgestattetes Haus. Und jetzt kommt der Mythos: Massenpleiten, ruinierte Familien, Menschen, die sich in den Grachten ertränken. Das ist nach heutiger Forschung nicht belegt. Goldgar hat die Archive in Haarlem, Amsterdam, Alkmaar und Enkhuizen ausgewertet (The Conversation, 2018):
„Ich habe in diesen Jahren keinen einzigen Bankrotteur gefunden, der sich identifizieren ließ. […] Niemand hat sich in den Grachten ertränkt.“
Anne Goldgar, Historikerin (Original: „I found not a single bankrupt in these years who could be identified“ / „No one drowned themselves in canals.“)
Nur 37 Menschen gaben nachweislich mehr als 300 Gulden für Zwiebeln aus, die niederländische Wirtschaft blieb unberührt. Ein großer Teil dessen, was der Schriftsteller Charles Mackay 1841 über die Tulpenmanie schrieb, geht auf satirische Lieder und Flugschriften von 1637 zurück. Auch die berühmte Geschichte vom Seemann, der eine wertvolle Zwiebel für eine Küchenzwiebel hielt und aufaß, ist nicht durch Akten belegt.
Die Lehre: Die größte Blase war hier die Geschichte selbst. Wer Crash-Erzählungen glaubt, ohne die Quelle zu prüfen, fällt auf einen fast 390 Jahre alten Mythos herein.
Die Südseeblase 1720 – und Isaac Newtons teurer Fehler
Viel realer war die Südseeblase in England. Die South Sea Company übernahm 1720 einen großen Teil der britischen Staatsschulden im Tausch gegen eigene Aktien. Laut Garber stieg die Aktie von etwa 120 Pfund im Januar 1720 auf rund 950 Pfund am 1. Juli – und stürzte dann von etwa 775 Pfund am 31. August auf etwa 290 Pfund am 1. Oktober ab. In nur einem Monat verschwanden rund 103 Millionen Pfund an Börsenwert, mehr als das Doppelte der Staatsschulden, die die Gesellschaft übernommen hatte.
Einer der Verlierer: Isaac Newton. Der Mathematiker Andrew Odlyzko hat seine Finanzen rekonstruiert (Notes and Records of the Royal Society, 2019). Newton verkaufte zunächst mit Gewinn, stieg dann aber „fast ganz oben“ wieder ein und hatte am Ende praktisch sein ganzes Vermögen in South-Sea-Papieren. Von etwas über 30.000 Pfund Vermögen verlor er rund 10.000 Pfund – etwa ein Drittel. Ruiniert war er nicht, aber hätte er seine frühen Gewinne einfach behalten, wäre er mit über 50.000 Pfund aus der Sache herausgekommen.
Vielleicht kennst du das berühmte Zitat, Newton habe gesagt, er könne die Bewegung der Himmelskörper berechnen, aber nicht den Wahnsinn der Menschen. Dieses Zitat wird ihm nur zugeschrieben. Die älteste Spur ist eine Anekdote aus zweiter Hand, die erst Jahrzehnte später aufgeschrieben wurde – und darin kommen keine Himmelskörper vor. Belegt ist dagegen, was Newton selbst 1724 in einem Brief schrieb:
„Ich habe sehr viel mit der South Sea Company verloren, was meine Taschen leer gemacht hat und mir die Lust an solchen Geschäften genommen hat.“
Isaac Newton, Brief vom 14. September 1724 (Original: „I lost very much by the South Sea company which makes my pockets empty, & my mind averse from dealing in these matters.“)
Die Lehre: Selbst eines der größten Genies der Geschichte hat richtig verkauft – und ist dann aus Angst, etwas zu verpassen, am Hoch wieder eingestiegen. Nicht Intelligenz schützt dich, sondern ein Plan, den du durchhältst.
1929: Der Crash, der zur Großen Depression wurde
In den 1920er-Jahren kannte die Wall Street nur eine Richtung. Der Dow Jones versechsfachte sich von 63 Punkten im August 1921 auf 381 Punkte im September 1929. Viele Käufer zahlten laut Federal Reserve History nur einen Bruchteil des Kaufpreises selbst, „typischerweise 10 Prozent“, und liehen sich den Rest.
Am 3. September 1929 schloss der Dow bei 381,17 Punkten. Dann kam der Oktober: Am Schwarzen Montag, dem 28. Oktober 1929, fiel der Index um fast 13 %, am Schwarzen Dienstag, dem 29. Oktober, noch einmal um fast 12 %. Mitte November hatte er fast die Hälfte seines Werts verloren. Und es ging weiter bergab – bis zum 8. Juli 1932. An diesem Tag schloss der Dow bei 41,22 Punkten, dem tiefsten Stand des 20. Jahrhunderts und 89 % unter dem Hoch. Aus 10.000 Dollar waren 1.100 Dollar geworden.
Sein altes Hoch erreichte der Dow erst am 23. November 1954 wieder – nach gut 25 Jahren. Diese Zahl hört man oft, sie ist aber nur die halbe Wahrheit: Der Dow ist ein Kursindex ohne Dividenden, und die Preise fielen in der Großen Depression stark. Laut einer Auswertung von Mark Hulbert (New York Times, 2009) war ein breit gestreuter Anleger, der 1929 am Hoch eingestiegen war, mit wieder angelegten Dividenden und unter Berücksichtigung der Deflation schon Ende 1936 wieder bei null – also nach gut 7 Jahren. Rein nominal blieben es trotzdem 25 Jahre.
Der Mythos: Die Bilder von Börsenmaklern, die sich reihenweise aus den Fenstern stürzen, gehören zu den bekanntesten der Wirtschaftsgeschichte. Eine solche Welle hat es aber nicht gegeben. Der Ökonom John Kenneth Galbraith schreibt in The Great Crash 1929, die Suizidwelle sei eine Legende. Nach damaligen Angaben des New Yorker Gerichtsmediziners gab es in Manhattan in den vier Wochen nach dem Crash 44 Suizide – im Vorjahreszeitraum waren es 53. Es gab tragische Einzelfälle, aber keine Welle.
Die Lehre: Der Hebel hat aus dem Crash eine Katastrophe gemacht. Wer nur 10 % eigenes Geld drin hat, muss bei fallenden Kursen verkaufen – egal zu welchem Preis.
Video: Die gruseligsten Börsencrashs aller Zeiten – und was wir daraus lernen
Das ganze Thema gibt es auch als Video – mit allen Crashs, Zahlen und Studien. Schau gern rein oder lies unten weiter.
Schwarzer Montag 1987: −22,6 % an einem einzigen Tag
Am 19. Oktober 1987 verlor der Dow Jones 508 Punkte oder 22,6 % – laut Federal Reserve History der größte prozentuale Tagesverlust der Börsengeschichte. An der New Yorker Börse wechselten an diesem Tag 604 Millionen Aktien den Besitzer, mehr als das Dreifache des damaligen Tagesdurchschnitts. Weltweit ging es abwärts, am heftigsten in Neuseeland mit −60 %.
Ein Mitverursacher war eine damals neue Absicherungsstrategie, die sogenannte Portfolio Insurance: Computerprogramme verkauften bei fallenden Kursen automatisch Futures, was die Kurse weiter drückte und neue Verkäufe auslöste. Laut dem Untersuchungsbericht der US-Regierung (Brady-Report, 1988) verkauften Portfolio-Versicherer am 19. Oktober Futures im Gegenwert von etwa 4 Milliarden Dollar. Allein schuld waren sie aber nicht.
Und jetzt der eigentlich spannende Teil: Wer an diesem Tag verkauft hat, hat seinen Verlust festgeschrieben. Wer gehalten hat, war bald wieder obenauf. Schon in den zwei folgenden Handelstagen holte der Dow 57 % des Tagesverlusts zurück. Vom Hoch am 25. August 1987 (2.722,42 Punkte) bis zum neuen Rekord am 24. August 1989 vergingen nur rund 2 Jahre.
Übrigens: Den DAX gab es am Schwarzen Montag noch gar nicht – er wurde erst ab Juli 1988 berechnet. Sein größter echter Tagesverlust kam am 16. Oktober 1989 mit −12,81 % (Deutsche Börse). Wieder ein Oktober.
Die Lehre: Ein einziger Tag mit −22,6 % ist schrecklich. Verloren hat aber vor allem, wer verkauft hat. Und automatische „Absicherung“ kann einen Crash sogar beschleunigen.
Japan: 34 Jahre unter Wasser
Jetzt wird es richtig gruselig. Ende der 1980er-Jahre erlebte Japan eine gewaltige Aktien- und Immobilienblase. Ökonomen schätzten später, dass das Grundstück des Kaiserpalasts in Tokio mehr wert war als ganz Kalifornien. Am 29. Dezember 1989 schloss der Nikkei 225 bei 38.915,87 Punkten.
Dann platzte die Blase. Bis August 1990 hatte sich der Index ungefähr halbiert – und das war erst der Anfang. Sein tiefster Schlussstand kam am 10. März 2009 mit 7.054,98 Punkten: −81,9 %, fast zwei Jahrzehnte nach dem Hoch (Nikkei Inc.). Ein neues Rekordhoch gab es erst am 22. Februar 2024 mit 39.098,68 Punkten (Bloomberg). Das sind gut 34 Jahre. Wer mit 30 am Hoch gekauft hat, war bei der Erholung 64.
Fairerweise: Mit Dividenden ging es schneller. Laut Dimensional lag ein breiter japanischer Aktienindex inklusive Dividenden (MSCI Japan, in US-Dollar) ab Mai 2017 wieder über dem Hoch von 1989. Aber auch das sind mehr als 27 Jahre.
Die Lehre: Ein ganzes Land kann jahrzehntelang unter Wasser sein – auch eines, das damals als unschlagbar galt. Dazu gleich mehr bei den Lehren.
Dotcom-Blase und Neuer Markt: das deutsche Trauma
Ende der 1990er-Jahre war das Internet die große Zukunftsgeschichte. Und sie war ja auch richtig. Aber die Kurse waren es nicht: Viele Wachstumsfirmen wurden damals laut einem Fondsmanager mit dem 200- bis 300-Fachen des erwarteten Gewinns des nächsten Jahres gehandelt.
Der Nasdaq Composite erreichte am 10. März 2000 5.048,62 Punkte. Bis zum 9. Oktober 2002 fiel er auf 1.114,11 Punkte – −77,9 %. Ein neues Hoch gab es erst am 23. April 2015, nach gut 15 Jahren. Der DAX fiel vom 7. März 2000 (8.064,97 Punkte) bis zum 12. März 2003 auf 2.202,96 Punkte – −72,7 %, fast drei Viertel (Deutsche Börse). Sein altes Hoch holte er 2007 zurück, nach gut 7 Jahren – und das als Performanceindex mit Dividenden.
Am schlimmsten traf es Deutschland aber am Neuen Markt. Das Börsensegment für junge Tech-Firmen startete im März 1997. Laut einem Diskussionspapier der Bundesbank stieg der NEMAX All Share bis zum 10. März 2000 um 1.682 %, 229 Firmen waren zusammen 243 Milliarden Euro wert. Insgesamt gingen dort 326 Unternehmen an die Börse. Dann kam der Absturz: Der NEMAX 50 fiel von rund 9.700 Punkten auf ein Tief von rund 300 Punkten im Oktober 2002 – rund −96 %. Am 5. Juni 2003 wurde der Neue Markt geschlossen.
Und es war nicht nur eine Blase, sondern teilweise auch Betrug. Beim Telematik-Anbieter Comroad waren laut Sonderprüfung von den für 2001 gemeldeten 93,6 Millionen Euro Umsatz nur 1,4 % echt. Über 90 Millionen Euro liefen über einen angeblichen Kunden in Hongkong, für dessen Existenz die Prüfer keinerlei Hinweise fanden (heise online, 2002). Gründer Bodo Schnabel wurde im November 2002 zu sieben Jahren Haft verurteilt. Auch bei EM.TV mussten die Zahlen im Jahr 2000 korrigiert werden, die Aktie fiel auf rund 5 % ihres Hochs.
Die Lehre: Eine richtige Idee schützt nicht vor einem falschen Preis. Hype ohne Gewinne und ein Klumpen in einer einzigen Branche können fast alles vernichten. Viele Deutsche haben seit dem Neuen Markt Angst vor Aktien – dabei war breit gestreut der Absturz deutlich milder.
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Finanzkrise 2008: Als das Bankensystem stillstand
Die Finanzkrise begann am US-Immobilienmarkt und wurde zur schwersten Krise seit der Großen Depression. Laut Federal Reserve History fielen die Hauspreise um rund 30 %, die Arbeitslosigkeit in den USA stieg bis Oktober 2009 auf 10 %.
Der gruseligste Tag war der 15. September 2008: Die Investmentbank Lehman Brothers meldete nach 158 Jahren Insolvenz an – mit einer Bilanzsumme von 639 Milliarden Dollar die größte Pleite der US-Geschichte. Am selben Tag wurde Merrill Lynch an die Bank of America verkauft, der Versicherer AIG bat die Notenbank um Hilfe, und der Dow Jones fiel um 504 Punkte (−4,4 %).
Der S&P 500 fiel vom Hoch am 9. Oktober 2007 (1.565,15 Punkte) bis zum 9. März 2009 (676,53 Punkte) um 56,8 %. Sein neues Hoch kam am 28. März 2013, nach rund 5,5 Jahren. Der DAX verlor vom 16. Juli 2007 bis zum 6. März 2009 54,8 % und brauchte knapp 6 Jahre zurück. Und der MSCI World? In Euro mit wieder angelegten Dividenden (Net Return) fiel er um 53,4 % und stand am 28. Februar 2013 wieder auf Rekord – nach gut 5,5 Jahren (eigene Auswertung der MSCI-Daten).
Die Lehre: Hebel und Intransparenz im Bankensystem können innerhalb weniger Tage die Welt anhalten. Und: Wer im März 2009 weiter gespart hat, hat zu den günstigsten Kursen einer ganzen Generation gekauft.
Wirecard 2020: Der DAX-Konzern, dessen Milliarden fehlten
Dieser Crash ist für viele deutsche Anleger der persönlichste. Wirecard war ein Zahlungsdienstleister und ab September 2018 sogar im DAX – als Ersatz für die Commerzbank, ein Gründungsmitglied des Index. Kritische Berichte, vor allem der Financial Times, gab es schon lange. Doch statt Wirecard genauer zu prüfen, verbot die Finanzaufsicht BaFin am 18. Februar 2019 neue Leerverkäufe der Aktie (BaFin) – erstmals auf Grundlage dieser EU-Regel.
Am 18. Juni 2020 kam der Schock: Der Wirtschaftsprüfer EY verweigerte das Testat für 2019, weil 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten nicht nachweisbar waren – rund ein Viertel der Bilanzsumme. Die Aktie verlor an diesem Tag fast 62 %. Am 22. Juni räumte Wirecard selbst ein, dass die 1,9 Milliarden Euro mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht existieren. Am 25. Juni 2020 stellte das Unternehmen Insolvenzantrag – als erster DAX-Konzern überhaupt.
Die Aktie fiel von über 100 € am 17. Juni auf rund 1 € gut eine Woche später – rund −99 %. Im Jahr 2018 hatte sie noch knapp unter 200 € gestanden. Für die Aktionäre war es praktisch ein Totalverlust.
Und wie ist der Stand heute? Der frühere Vorstandschef Markus Braun sitzt seit Juli 2020 in Untersuchungshaft. Der Strafprozess vor dem Landgericht München I läuft seit Dezember 2022, ein Urteil gibt es noch nicht (Stand Ende Oktober 2026), die Plädoyers sind für November 2026 angepeilt (LTO). Braun bestreitet die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung. Der frühere Vorstand Jan Marsalek ist seit Juni 2020 flüchtig und wird international gesucht. Der Bundestag hat den Fall in einem eigenen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet (Bundestag).
Die Lehre: Weder der DAX noch die Aufsicht noch ein großer Wirtschaftsprüfer schützen dich sicher vor einem Totalverlust bei einer Einzelaktie. In einem breit gestreuten Index mit sehr vielen Unternehmen fällt eine einzelne Pleite wie diese dagegen kaum ins Gewicht.
Corona 2020: Der schnellste Crash der Geschichte
Im Februar 2020 standen die Börsen auf Rekord. Dann breitete sich das Coronavirus weltweit aus. Der S&P 500 fiel vom 19. Februar (3.386,15 Punkte) bis zum 23. März 2020 (2.237,40 Punkte) um 33,9 % – in nur 33 Tagen. Laut AP war es der schnellste Bärenmarkt, der je gemessen wurde. Der DAX verlor vom 19. Februar bis zum 18. März sogar 38,8 %, in weniger als vier Wochen.
Und dann? Die Erholung war genauso schnell. Der S&P 500 stand schon am 18. August 2020 wieder auf Rekord (AP via PBS), knapp 6 Monate nach dem Hoch. Der DAX folgte am 28. Dezember 2020, der MSCI World (Net Return in Euro) am 7. Januar 2021. Besonders verrückt: Laut J.P. Morgan folgte auf den zweitschlechtesten Börsentag des Jahres 2020, den 12. März, direkt der zweitbeste.
Die Lehre: Wer im März 2020 in Panik verkauft hat, hat die schnellste Erholung der Geschichte verpasst.
Alle Crashs im Überblick
| Crash | Index | Hoch | Tief | Verlust | Zeit bis neues Hoch |
|---|---|---|---|---|---|
| 1929 | Dow Jones | 381,17 (03.09.1929) | 41,22 (08.07.1932) | −89 % | gut 25 J. (23.11.1954) |
| Ölkrise 1973/74 | S&P 500 | 120,24 (11.01.1973) | 62,28 (03.10.1974) | −48 % | 7,5 J. (17.07.1980) |
| Schwarzer Montag | Dow Jones | 2.722,42 (25.08.1987) | 1.738,74 (19.10.1987) | −36 % | 2 J. (24.08.1989) |
| Japan | Nikkei 225 | 38.915,87 (29.12.1989) | 7.054,98 (10.03.2009) | −82 % | gut 34 J. (22.02.2024) |
| Dotcom | Nasdaq Comp. | 5.048,62 (10.03.2000) | 1.114,11 (09.10.2002) | −78 % | gut 15 J. (23.04.2015) |
| Dotcom | DAX | 8.064,97 (07.03.2000) | 2.202,96 (12.03.2003) | −73 % | gut 7 J. (2007) |
| Neuer Markt | NEMAX 50 | rund 9.700 (10.03.2000) | rund 300 (Okt. 2002) | rund −96 % | nie (2003 geschlossen) |
| Finanzkrise | S&P 500 | 1.565,15 (09.10.2007) | 676,53 (09.03.2009) | −57 % | 5,5 J. (28.03.2013) |
| Finanzkrise | DAX | 8.105,69 (16.07.2007) | 3.666,41 (06.03.2009) | −55 % | knapp 6 J. (Mai 2013) |
| Finanzkrise | MSCI World (Net, EUR) | 15.06.2007 | 09.03.2009 | −53 % | 5,7 J. (28.02.2013) |
| Wirecard | Aktie | über 100 € (17.06.2020) | rund 1 € (26.06.2020) | rund −99 % | nie (Insolvenz) |
| Corona | S&P 500 | 3.386,15 (19.02.2020) | 2.237,40 (23.03.2020) | −34 % | 6 Mon. (18.08.2020) |
| Corona | DAX | 13.789,00 (19.02.2020) | 8.441,71 (18.03.2020) | −39 % | 10 Mon. (28.12.2020) |
| Corona | MSCI World (Net, EUR) | 19.02.2020 | 23.03.2020 | −34 % | 10,6 Mon. (07.01.2021) |
Schlusskurse, nominal, ohne Inflation; „Zeit bis neues Hoch“ ab dem alten Hoch gerechnet. DAX und MSCI World Net mit Dividenden, die übrigen Indizes ohne. Quellen: Federal Reserve History, Deutsche Börse, Nikkei Inc., AP, Bloomberg, MSCI-Indexdaten (eigene Auswertung), teils nachgerechnet aus Kursdaten von Yahoo Finance.
Was an der Tabelle auffällt: Die längsten Erholungen gab es bei einzelnen Ländern oder Branchen (Japan, Nasdaq) und bei Einzelaktien, die gar nicht zurückkamen. Der breit gestreute MSCI World war in den jüngeren Crashs vergleichsweise schnell wieder oben. Ganz ehrlich muss man aber auch sagen: Nach dem Dotcom-Crash lag ein Euro-Anleger im MSCI World selbst mit Dividenden über 13 Jahre unter seinem Hoch vom Herbst 2000, weil zum Aktiencrash noch ein schwacher Dollar kam.
Die 5 Lehren aus den Börsencrashs – mit Studien
1. Crashs sind normal – und sie gehen vorbei
Laut Hartford Funds (Daten: Ned Davis Research) gab es im S&P 500 seit 1928 27 Bärenmärkte, also Rückgänge um mindestens 20 %. Im Schnitt fiel der Index dabei um 35 %, und nach durchschnittlich 289 Tagen – unter zehn Monaten – war der Bärenmarkt vorbei (Hartford Funds). Ein durchschnittlicher Bullenmarkt brachte dagegen +112 % und dauerte 2,7 Jahre. Wer 50 Jahre anlegt, muss mit rund 14 Bärenmärkten rechnen.
Je länger du dabei bleibst, desto kleiner wird die Spannbreite: Laut dem J.P. Morgan Guide to Retirement 2026 lagen einzelne Jahre im S&P 500 seit 1950 zwischen −37 % und +52 %. Über 20 Jahre gab es dagegen keinen einzigen Zeitraum mit Verlust – der schlechteste brachte noch +6 % pro Jahr. Das gilt für den US-Markt in der Vergangenheit und ist kein Naturgesetz: Der MSCI World in Euro (Kursindex) lag zum Beispiel von Ende 1999 bis Ende 2009 nach zehn Jahren deutlich im Minus.
2. Bleib investiert – die besten Tage kommen mitten im Crash
J.P. Morgan hat ausgerechnet, was mit 10.000 Dollar im S&P 500 (mit Dividenden) von 2006 bis 2025 passiert ist:
| 10.000 $ von 2006 bis 2025 | Endwert | Rendite pro Jahr |
|---|---|---|
| immer investiert | 80.619 $ | 11,0 % |
| die 10 besten Tage verpasst | 35.866 $ | 6,6 % |
| die 20 besten Tage verpasst | 21.177 $ | 3,8 % |
| die 30 besten Tage verpasst | 13.826 $ | 1,6 % |
Quelle: J.P. Morgan Asset Management, Guide to Retirement 2026, S&P 500 Total Return, vor Kosten.
Wer nur 10 von rund 5.000 Handelstagen verpasst hat, hatte am Ende weniger als die Hälfte. Und das Gemeine: 6 der 10 besten Tage lagen innerhalb von zwei Wochen nach den 10 schlechtesten. Laut Hartford Funds fielen 42 % der stärksten Tage der letzten 20 Jahre mitten in einen Bärenmarkt. Ehrlicherweise sind solche Rechnungen hypothetisch – wer die besten Tage verpasst, verpasst oft auch schlechte. Die eigentliche Botschaft ist eine andere: Raus und rechtzeitig wieder rein klappt praktisch nicht, weil gute und schlechte Tage so eng beieinanderliegen.
Dass das nicht nur Theorie ist, zeigt Morningstar. In der Studie Mind the Gap 2026 haben die Fonds selbst in den zehn Jahren bis Ende 2025 im Schnitt 9,9 % pro Jahr gebracht – die Anleger in diesen Fonds aber nur 8,7 %. Die Lücke von 1,2 Prozentpunkten pro Jahr entsteht durch das Timing der Käufe und Verkäufe. Je schwankungsreicher der Fonds, desto größer die Lücke. Hin und her macht Taschen leer.
3. Breit streuen – über Länder und Unternehmen
Japan ist das beste Beispiel dafür, warum du nicht auf ein einzelnes Land setzen solltest. Ende 1989 machte Japan Schätzungen zufolge rund 40 % des weltweiten Aktienmarkts aus – heute sind es laut UBS Global Investment Returns Yearbook nur noch gut 6 %. Niemand weiß vorher, welches Land das nächste Japan wird. In meiner Auswertung der MSCI-Daten (Net Return in Euro, Ende 2000 bis Ende 2025) brachte der MSCI World +357 % (6,3 % pro Jahr), der MSCI Japan nur +128 % (3,4 % pro Jahr).
Bei Einzelaktien ist es noch extremer. Der Finanzprofessor Hendrik Bessembinder hat alle rund 26.000 US-Aktien seit 1926 ausgewertet (Journal of Financial Economics, 2018): 58 % der Aktien schlugen über ihre Lebensdauer nicht einmal kurzlaufende US-Staatsanleihen. Die gesamte Mehrrendite des Marktes von 35 Billionen Dollar stammt von nur 4,3 % der Unternehmen. Die Chance, mit einer einzelnen Aktie genau einen der wenigen großen Gewinner zu erwischen, ist also klein – mit einem breiten Index hast du die Gewinner automatisch dabei.
4. Lass den Sparplan im Crash weiterlaufen
Wie schlägt sich ein Sparplan im schlimmsten Fall? Ich habe mit den Monatsdaten von MSCI nachgerechnet, wie es einem Euro-Anleger im MSCI World im „verlorenen Jahrzehnt“ 2000 bis 2009 ergangen wäre (Kursindex in Euro, ohne Dividenden, ohne Kosten und Steuern):
| MSCI World in Euro, 2000–2009 | eingezahlt | Wert Ende 2009 | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Einmalanlage Ende 1999 | 12.000 € | 6.900 € | −42,5 % |
| Sparplan 100 €/Monat, 2000–2009 | 12.000 € | 10.321 € | −14,0 % |
Eigene Rechnung mit MSCI-Indexdaten (Kursindex, EUR), Kauf jeweils am Monatsende, ohne Kosten, Steuern und Dividenden. Kein realer ETF.
Ganz ehrlich: Auch der Sparplan war nach zehn Jahren im Minus. Aber er hat den Schaden gegenüber der Einmalanlage um etwa zwei Drittel verringert – weil er in den Crashs billig nachgekauft hat. Mit Dividenden (Net Return, Sparplan 2001 bis 2009) lag er sogar nur 2,7 % im Minus. Und wer einfach weitergemacht hat, hatte mit dem Sparplan von Januar 2000 bis Ende 2025 aus 31.200 € eingezahltem Geld rund 93.700 € gemacht – ohne Dividenden.
Noch deutlicher wird es in der Finanzkrise (Net Return in Euro): Ein Sparplan, der im Juni 2007 kurz nach dem Hoch startete, war ab Dezember 2009 wieder im Plus – gut drei Jahre früher als eine Einmalanlage zum Hoch, die erst im Februar 2013 wieder bei null war.
5. Finger weg vom Hebel
Fast alle wirklich katastrophalen Crashs haben eines gemeinsam: geliehenes Geld. 1929 zahlten viele Käufer nur 10 % selbst. Vor der Finanzkrise arbeiteten die fünf großen US-Investmentbanken laut der vom US-Kongress eingesetzten Untersuchungskommission mit einem Hebel von bis zu 40 zu 1 – da konnte schon ein Wertverlust von weniger als 3 % eine Firma auslöschen (FCIC-Abschlussbericht, 2011). Und der Investor Bill Hwang ließ sein Family Office Archegos laut US-Börsenaufsicht SEC innerhalb eines Jahres von rund 1,5 auf über 36 Milliarden Dollar Kapital wachsen – über Geschäfte auf Kredit (Total Return Swaps) hielt es dabei Positionen von 160 Milliarden Dollar – Ende März 2021 brach alles binnen weniger Tage zusammen. Hwang wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt.
Wer ohne Kredit investiert, kann einen Crash aussitzen. Wer mit Kredit kauft, muss im Crash verkaufen – egal zu welchem Kurs.
Halloween-Bonus: Ist der Oktober wirklich ein Crash-Monat?
1929, 1987, 2008 – viele große Crashs fielen in den Oktober. Ist der Monat also verflucht? In meiner Auswertung des MSCI World (Kursindex in US-Dollar, Monatsrenditen 1997 bis 2025) war der Oktober tatsächlich der schwankungsreichste Monat und hatte mit Oktober 2008 (−19,0 %) auch den schlechtesten Einzelmonat. Im Schnitt brachte er aber +1,2 % und war in 62 % der Jahre positiv. Der schwächste Monat im Schnitt war der September mit −1,0 %. Und viele große Crashs begannen gar nicht im Oktober: Das Dotcom-Hoch lag im März 2000, Lehman ging im September 2008 pleite, der Corona-Crash kam im Februar und März 2020. Der Oktober-Fluch ist also ein Mythos mit wahrem Kern: Der Monat ist nervös, aber nicht systematisch schlecht.
Mark Twain hat das schon 1894 in Pudd'nhead Wilson auf den Punkt gebracht:
„Oktober. Dies ist einer der besonders gefährlichen Monate, um mit Aktien zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“
Mark Twain, Pudd'nhead Wilson (1894)
Und dann gibt es noch den Halloween-Indikator: die Beobachtung, dass Aktien von November bis April im Schnitt besser laufen als von Mai bis Oktober („Sell in May and go away“). Die Ökonomen Bouman und Jacobsen fanden das 2002 in 36 von 37 Ländern (American Economic Review), eine große Folgestudie von 2021 einen Vorsprung des Winterhalbjahrs von rund 4 Prozentpunkten. Statistisch gesehen ist Halloween also eher ein guter Tag zum Einsteigen als zum Aussteigen. Aber Vorsicht: Der Effekt ist in der Forschung umstritten, und wer im Sommer aussteigt, zahlt Kosten und Steuern und kann Rallyes verpassen. Ein Grund für Market Timing ist das nicht.
Im Crash: Was hilft, was schadet?
- breit gestreut über viele Länder und Branchen investieren statt in einzelne Aktien oder ein einzelnes Land
- einen Sparplan, der auch im Crash einfach weiterläuft
- nur Geld anlegen, das du viele Jahre nicht brauchst, plus einen Notgroschen auf dem Konto
- einen Plan, den du vorher festlegst – nicht im Moment der Panik
- Aktien auf Kredit oder mit Hebel kaufen
- in Panik verkaufen und auf den perfekten Wiedereinstieg warten
- alles auf eine Aktie, eine Branche oder ein Land setzen
- Geschichten glauben, ohne die Quelle zu prüfen
Fazit: Der gruseligste Crash ist der, bei dem du verkaufst
Die Geschichte der Börsencrashs ist wirklich gruselig: −89 % 1929, −22,6 % an einem Tag 1987, 34 Jahre Warten in Japan, ein DAX-Konzern mit fehlenden Milliarden. Aber sie zeigt auch ein klares Muster: Verloren haben vor allem diejenigen, die auf Kredit gekauft, alles auf eine Karte gesetzt oder im Crash verkauft haben. Wer breit gestreut, ohne Hebel und mit einem laufenden Sparplan dabeigeblieben ist, war nach den meisten Crashs irgendwann wieder obenauf – manchmal schneller, manchmal deutlich langsamer.
Warren Buffett hat es in seinem Aktionärsbrief für 1986 so formuliert:
„Wir versuchen einfach, ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind, und nur dann gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind.“
Warren Buffett, Brief an die Berkshire-Aktionäre für 1986 (Original: „we simply attempt to be fearful when others are greedy and to be greedy only when others are fearful.“)
Jetzt interessiert mich: Welchen Crash hast du selbst miterlebt – und was hast du damals gemacht? Schreib es mir gern in die Kommentare unter dem Video.
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Häufig gestellte Fragen
Was war der schlimmste Börsencrash der Geschichte?
Gemessen am Verlust des großen US-Index der Crash ab 1929: Der Dow Jones fiel vom 3. September 1929 (381,17 Punkte) bis zum 8. Juli 1932 (41,22 Punkte) um 89 %. Sein altes Hoch erreichte er erst am 23. November 1954 wieder. Am längsten unter Wasser war Japan: Der Nikkei 225 brauchte vom Hoch am 29. Dezember 1989 bis zum 22. Februar 2024 – also gut 34 Jahre –, um sein Rekordhoch zu übertreffen.
Wie lange dauert es, bis sich die Börse nach einem Crash erholt?
Das ist sehr unterschiedlich. Nach dem Schwarzen Montag 1987 stand der Dow nach rund 2 Jahren wieder auf Rekord, nach der Finanzkrise der S&P 500 nach gut 5 Jahren, nach dem Corona-Crash nach knapp 6 Monaten. Der Nasdaq brauchte nach dem Dotcom-Crash 15 Jahre, der Nikkei 34 Jahre. Breit gestreut ging es meist schneller: Der MSCI World (Net Return in Euro) war nach der Finanzkrise am 28. Februar 2013 und nach Corona am 7. Januar 2021 wieder auf Rekord.
Haben sich 1929 wirklich massenhaft Börsenmakler aus dem Fenster gestürzt?
Nein, das ist ein Mythos. Der Ökonom John Kenneth Galbraith schreibt in The Great Crash 1929, eine Suizidwelle habe es nicht gegeben. Laut damaligen Angaben des New Yorker Gerichtsmediziners gab es in Manhattan in den vier Wochen nach dem Crash 44 Suizide, im Vorjahreszeitraum 53. Einzelfälle gab es, eine Welle nicht.
Hat die Tulpenmanie 1637 wirklich viele Menschen ruiniert?
Nach heutiger Forschung nicht. Die Historikerin Anne Goldgar hat die Archive in Haarlem, Amsterdam, Alkmaar und Enkhuizen ausgewertet und keinen einzigen nachweisbaren Bankrott durch Tulpen gefunden. Die niederländische Wirtschaft blieb unberührt. Die bekannten Geschichten von Ruin und Selbstmord stammen größtenteils aus Spott-Flugschriften von 1637 und aus Charles Mackays Buch von 1841.
Soll man im Crash verkaufen?
Das ist keine Anlageberatung, aber die Studien sind ziemlich eindeutig: Laut J.P. Morgan hatte, wer von 2006 bis 2025 im S&P 500 nur die 10 besten Börsentage verpasste, am Ende weniger als die Hälfte – und 6 der 10 besten Tage lagen innerhalb von zwei Wochen nach den 10 schlechtesten. Wer im Crash verkauft, verpasst sehr oft genau die Erholung.
Ist der Oktober wirklich ein Crash-Monat?
Nur zum Teil. 1929, 1987 und 2008 krachte es im Oktober, und in meiner Auswertung des MSCI World (1997–2025) war der Oktober der schwankungsreichste Monat. Im Schnitt brachte er aber +1,2 % und war in 62 % der Jahre positiv. Der schwächste Monat im Schnitt war der September.
Was ist der Halloween-Indikator?
Die Beobachtung, dass Aktien von November bis April im Schnitt besser laufen als von Mai bis Oktober (‚Sell in May and go away‘). Bouman und Jacobsen fanden das 2002 in 36 von 37 Ländern, Zhang und Jacobsen 2021 einen Vorsprung des Winterhalbjahrs von rund 4 Prozentpunkten. Der Effekt ist aber umstritten und für Privatanleger kein Grund für Market Timing.
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